Was der Mensch braucht

Grundbedürfnis: Das klingt verführerisch einfach. Einfacher als elementar kann ja nichts sein. Grimms Wörterbuch von 1854 kennt noch die dringende Notwendigkeit, die dem »Bedürfen« eigen ist, nennt deshalb die Notdurft als Beispiel, und diese Dringlichkeit hat als Bedeutung des Worts überlebt. Aber die Frage, was ein Mensch braucht, ist kaum gestellt, da zieht sie, unvermeidlich, Nachfragen hinter sich her: Was man braucht, um zu überleben? Nahrung, Wasser, etwas Kleidung, Medizin, ein Dach über dem Kopf, Schlaf. Oder um nicht zu zerbrechen? Je nachdem, vielleicht etwas Anerkennung, Liebe, Freiheit, Arbeit und Sicherheit, auch Kunst und Religion können helfen. Oder um glücklich zu sein? Schwierig. Um mit anderen Menschen halbwegs über die Runden zu kommen? Einen funktionierenden Staat, Familienplanung, sonst sehr variabel. Materielle Grundgüter, soziale Rechte, moralische Ansprüche und Anerkennung gehören je verschieden zum Elementaren, was Menschen brauchen, und lassen sich gegeneinander kaum aufrechnen.

Welcher Mensch überhaupt ist gemeint, an welchem Flecke der Welt, in welcher Epoche? Grundbedürfnisse sind nicht nur regional, sondern historisch relativ, sie hängen auch vom Menschenbild ab und vermischen sich mit Interessen oder mit Ideen vom Glück. Es ist keine hundert Jahre her, da war man in Deutschland mehrheitlich sicher, dass Kinder unbedingt Prügel brauchen, um passabel geraten zu können. Aber warum überhaupt Glück?

Seit eine Studie der London School of Economics erwiesen hat, dass die Allerärmsten, die Menschen in Bangladesch nämlich, zu den Glücklichsten der Welt gehören, wird die Frage nach den Grundbedürfnissen zudem vom berechtigten Misstrauen umschlichen, dass es »ein wichtiger Bestandteil des Glücksrezepts« sein könnte, »seine Erwartungen auf ein elendes Minimum zu reduzieren«, wie die Philosophin Susan Neiman es sagt.

Der amerikanische Psychologe Abraham Maslow erforschte gesunde, erfolgreiche und glückliche Menschen. Dabei entdeckte er, dass man die menschlichen Bedürfnisse nach einer bestimmten Rangordnung einteilen kann. Alle Bedürfnisse zusammen kann man sich als Schichten einer Pyramide vorstellen. Sobald eine Stufe erreicht ist, hat der Mensch das Bestreben die nächst höhere Stufe zu erreichen.

Erst wenn die Bedürfnisse einer unteren Stufe gestillt sind, strebt der Mensch nach Bedürfnissen der nächst höheren Stufe. Oder anders ausgedrückt: Die nächst höhere Stufe wird erst erklommen, wenn die tiefer gelegene Schicht ihm keine Schwierigkeiten mehr macht.

Dieses Modell ist psychologisches Basiswissen und findet naturgemäß häufig Anwendung, z.B. um gezielt zu motivieren -bei Werbung und Verkauf-, um sich Beweggründe zu vergegenwärtigen und diese grob zu klassifizieren.
Soweit die Modellvorstellung. Meist wird sie in 5 Stufen dargestellt. Natürlich kann man die einzelnen Stufen noch feiner modellieren. Und sich um Begriffe und deren bessere Einstufung streiten. Aber wichtiger ist: wozu kann man dieses Modell benutzen?

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